Bad Windsheim: Die alte Hilde und die Wissenschaft

Wer das Gefühl genießen will, im Salzwasser des Toten Meers zu schweben, muss nicht bis Israel reisen. Ein Kurztripp ins fränkische Bad Windsheim genügt. Das Sole-Bad ist aber nicht der einzige Höhepunkt der Reise

 

 

 

Dass sich das Leben der Hildegard Borst einmal als Glücksfall für die Wissenschaft erweisen würde, wer hätte das gedacht? Sie selbst ganz sicher nicht. Und auch nicht ihre Nachbarn, die der etwas schrulligen alten Frau abends immer etwas Warmes zum Essen vorbeibrachten, da sie auf ihre alten Tage nicht mehr kochen wollte und konnte.

Ihr Bruder war 1945 nicht mehr aus Russland zurückgekehrt, weshalb „die Hilde“ nach dem Tod der Eltern das kleine Hofgut alleine bewirtschaftete. Alle wussten, ihr Herrmann ist gefallen. Nur die Hilde wollte es nicht wahrhaben. Jeden Tag erwartete sie seine Rückkehr aus dem Krieg, selbst dann noch, als er schon selbst viel zu alt gewesen wäre, um als Landwirt arbeiten zu können. Hilde wartete auf ihren Herrmann. Und damit sich ihr Bruder nach seiner Heimkehr auf dem Hof wieder würde zurechtfinden können, beließ sie alles so, wie es war – und veränderte nichts, rein gar nichts. Die Möbel der guten Stube wurden verhängt, damit sie nicht verstaubten. Über die Jahre und Jahrzehnte blieb aber alles in seinem ursprünglichen Zustand. Nur ab und zu, wenn die Baupolizei vorbeikam und das eine oder andere bemängelte, ließ sie das reparieren – wohlgemerkt nur das, was unbedingt notwendig war, um die Prüfer zufriedenzustellen.

Als Hilde Borst vor rund zwanzig Jahren das Zeitliche segnete, erwies sich ihre Schrulligkeit jedoch als Glücksfall. Zumindest für das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim. Denn weil Hildegard Borst sich weigerte, Haus und Hof zu modernisieren, ist alles so erhalten geblieben, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Standard war. Es gibt dort keine sanitären Anlagen, keine Heizung. Von den Modernisierungen und dem Luxus der vergangenen Jahrzehnte hat dieser Hof nichts mitbekommen. Alle Renovierungswellen hat er ohne Veränderung überdauert.

Heute steht der Hof in seiner ganzen Pracht im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. Er ist ein Juwel unter der Vielzahl an historischen Bauwerken, die aus dem gesamten fränkischen Raum hierher gebracht (in der Fachsprache heißt es „transloziert“) und wieder originalgetreu aufgebaut wurden. Hier stehen Häuser aus sieben Jahrhunderten, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Alte Mühlen, Bauernhöfe, Schmieden, Bürgerhäuser und auch ein kleines Jagdschlösschen finden sich daruner. Und in einigen davon wird wie zu Urgroßvaters Zeit auch noch gearbeitet. Mit viel Liebe zum Detail sind die einzelnen Gebäude wieder in den Zustand gebracht worden, den sie an ihrem Originalstandort hatten. Beim „Simonshof“ der Hilde Borst hängen die Handtaschen und ihre Strickweste an genau den Haken, an denen sie einst hingen. Und in den Schränken findet sich sogar noch Hildes Aussteuer, die sie als unverheiratete Frau allerdings niemals brauchte.

Ein Spaziergang durch 700 Jahre Alltagsgeschichte kann hier einen ganzen Tag dauern. Nahezu 100 historische Gebäude wurden auf einer Fläche von etwa 50 Hektar originalgetreu wieder aufgebaut: Gotteshäuser, die Zeugnis geben vom fränkischen Protestantismus; Dorfplätze, auf denen sich nach getaner Arbeit die Bauern trafen; Häuser von Handwerkern und Bauern. Aktuell wurde ein Fachwerkhaus aus Eichstätt von 1322 zur Besichtigung freigegeben. Unterwegs locken Biergärten mit kühlem Museumsbier, gebraut im Kommunbrauhaus aus Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg.

Wer mehr als nur schauen möchte, kann sich beim Wäsche waschen mit dem Waschbrett oder beim Brot backen im Holzofen versuchen – die Handwerkertage wechseln sich täglich ab. Jeden Monat stehen verschiedene Feste auf dem Programm wie der Tag des Biers im April, der Mühlentag im Mai, das Sommerfest, Freiland-Theateraufführungen oder das Herbstfest mit Mostpressen und Flachsbrechen.

Mehrfach ausgezeichnet

Doch das ist nicht alles, was Bad Windsheim zu bieten hat.Wer das Schwebeerlebnis des Toten Meers erleben möchte, muss nicht nach Israel fahren. Die Franken-Therme in Bad Windsheim verfügt über ein Sole-Becken, das nahezu die selbe Salzkonzentration aufweist wie das Tote Meer: 26,9 Prozent! Der ganzjährig beheizte Badesee misst 750 Quadratmeter und ist 30 Grad warm.

Über zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an der juckenden Hautkrankheit Psoriasis, die mit Salz und Licht erfolgreich behandelt werden kann. Die Franken-Therme wird jedoch gerne auch von gesunden Menschen besucht, die das Erlebnis, auf dem Wasser zu schweben, genießen wollen. Das dreiwöchige Angebot „Salz und Licht“, das sich vor allem an Menschen mit empfindlicher Haut und an Psoriasis-Patienten wendet, wurde in diesem Jahr mit dem bayerischen Innovationspreis im Tourismus ausgezeichnet. Für seinen deutschlandweit einmaligen Salzsee erhielt Bad Windsheim bereits im jahr 2007 den Deutschen Tourismuspreis.

Doch nicht nur deshalb ist Bad Windsheim einen Besuch – und auch einen längeren Aufenthalt – wert. Fachwerkhäuser, Kirchen und ein schmuckes Rathaus zieren den kleinen und feinen Kurort mit seinem ganzjährig milden Klima. Sonnenverwöhnte Weinberge mit dem berühmten Frankenwein umschließen das Tal. Als Hinterlassenschaft der einst freien Reichsstadt zieren heute sehenswerte Bauten die Altstadt. Ein Bummel durch das historische Zentrum führt vorbei am barocken Rathaus, an alten Bürgerhäusern und an der acht Meter hohen Rolandstatue. Archäologische Vitrinenfenster vor dem Rathaus geben einen Einblick in die bewegte Gründungsgeschichte der Kurstadt, die seit rund 200 Jahrne zu Bayern gehört.

Ein Muss ist der Besuch beim Döbler, so sagen die Bad Windsheimer. Das Brauhaus Döbler ist die letzte von einst 30 Privatbrauereien der Stadt. In der Braugaststätte mitten in der Stadt sitzen Einheimische und Urlauber zusammen und trinken leichtes Pils, Helles oder naturtrübes Reichsstadtbier. Gemütlich ist es hier, nur sechs Tische stehen im Raum, der Ofen ist in die Jahre gekommen und erinnert an die 1950-er Jahre. Stünde das Gebäude nicht unter Denkmalschutz am angestammten Platz, man könnte es ohne Weiteres als kleines Schmuckstück in das nur wenige Meter entfernte Fränkische Freilandmuseum verfrachten – vielleicht direkt neben den Hof der Hilde Borst.

 

Auf einen Blick
Tourismus-Information
Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH
Erkenbrechtallee 2 • 91438 Bad Windsheim
Telefon (09841) 40 20
tourismus@bad-windsheim.de
www.tourismus.bad-windsheim.de

Franken-Therme Bad Windsheim GmbH
Erkenbrechtallee 10 • 91438 Bad Windsheim
Telefon (09841) 4030-0
info@franken-therme.net • www.franken-therme.net

Brauhaus Döbler
Kornmarkt 6 • 91438 Bad Windsheim
Telefon (09841) 2002
info@brauhaus-doebler.de • brauhaus-doebler.de

Fränkisches Freilandmuseum
Eisweiherweg 1 • 91438 Bad Windsheim
Telefon (09841) 6680-0
info@freilandmuseum.de • freilandmuseum.de

 

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